Johanneskirche in Ebermannsdorf
Die Johanneskirche am Schloss in Ebermannsdorf
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Ein barockes Juwel und seine Geschichte Die Johanneskirche ist eine Filialkirche der Nikolauspfarrei Theuern. Sie wurde 1722 fertiggestellt und zwei der begabtesten Baumeister ihrer Zeit haben sich mit ihr beschäftigt: Wolfgang Dientzenhofer, der mit seinen Brüdern den barocken Baustil nach Bayern gebracht hatte, und Ignaz Anton Gunetzrhainer, der später im Umkreis der Münchner Hofkunst als Stadtbaumeister tätig war. Anhand von archivalischen Quellen ist die Baugeschichte recht detailliert bekannt. Sie sind in folgendem Aufsatz veröffentlicht: "Schlosskirche (und Schloss) zu Ebermannsdorf - ein Frühwerk von Ignaz Anton Gunetzrhainer (Gunezrheiner) von 1721/22. “ In: Kulturarbeit und Kirche, Festschrift Mrsg. Dr. Paul Mai zum 70. Geburtstag, Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg Bd. 39. Regensburg 2005. S. 571 bis 583.
Geschichte Die Johanneskirche wurde 1721/1722 gebaut. Den desolaten Zustand der Vorgängerkirche nahm Wolfgang Dientzenhofer 1701 in Augenschein. Er entwarf einen Umbauplan und stellte einen Kostenvoranschlag zusammen. Vor 1719 wechselten Schloss und Kirche den Besitzer, und das erwies sich als Glücksfall für die Kirche: Johann Joseph von Dyer, hoher Beamter am Hof von Kurfürst Max Emanuel, erhält die Hofmark Ebermannsdorf. Er baut neu und beauftragt verschiedene Fachleute mit Planungen und Kostenvoranschläge. Im Jahr 1719 bieten an: der Baukommissarius der Stadt Amberg, Johann Jakob von Löw, und der Stadtmaurermeister zu München, Johann Mayr. Der Münchner bekommt den Zuschlag, und am 23. Dezember 1719 erteilt Max Emanuel die Baugenehmigung.Aus den Archivalien lässt sich der Bau folgendermaßen nachvollziehen: Baubeginn: Dienstag, 6. Mai 1721; vier Maurer kommen im Juni zusätzlich aus München; Ignaz Anton Gunetzrhainer, der Baumeister, kommt erstmals im Juli zur Baustelle nach Ebermannsdorf. Im September trifft Maurermeister Johann Mayr als Erfahrungsträger auf der Baustelle ein. Wahrscheinlich ist der Rohbau im Jahr 1721 abgeschlossen, denn zum 6. März 1722 legt der Baumeister Gunetzrhainer einen Überschlag über weitere Arbeiten vor.
Würdigung Der junge Baumeister Ignaz Anton Gunetzrhainer ist also 1721 in Ebermannsdorf. Das ist deshalb so bemerkenswert, weil Gunetzrhainer ab 1725 in München lebt und arbeitet und zum Kreis der Münchner Hofkunst gehört. Diese Gruppe prägte den bayerischen Barock wie man ihn aus den Münchner Schlössern und den Kirchen im Umland kennt. Künstler wie Effner, Cuvilliers, Zimmermann oder Johann Baptist Gunetzrhainer, der ältere Bruder, gehören zu diesem Kreis. Die kunstgeschichtliche Forschung ignorierte bislang die Anwesenheit Ignaz Antons in der Oberpfalz, obwohl sie mit dem Quellenmaterial im zitierten Aufsatz eindeutig belegt ist.
Noch mehr Münchner Hofkunst An der barocken Innenausstattung sind ebenfalls bedeutende Künstler aus dem Kreis der Münchner Hofkunst beteiligt. Allen voran der Maler Johann Adam Müller, der 1722/1723 auch die Georgskirche in Amberg freskierte, und ein "Bildhauer aus Haidhausen", der möglicherweise mit dem Elfenbeinschnitzer Simon Troger identisch sein könnte.Als Fazit aus der Baugeschichte lässt sich ableiten, dass Kunstsinn und Repräsentationsbedürfnis des Hofbeamten Johann Joseph von Dyer dazu geführt hatten, dass zeitgenössische Kunstformen, also Münchner Hofkunst, aufs Land kam, mitten in die Oberpfalz! Vom Stadtmaurermeister Johann Mayr als Bauunternehmer unterstützt, mit Ignaz Anton Gunetzrhainer als Baumeister und mit weiteren Künstlern und Handwerkern aus München, entstand die Johanneskirche in Ebermannsdorf als ein kleines, aber feines barockes Juwel.
Christine Schormüller Ortsheimatpflegerin
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